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Markus Böhm – Feuer und Salz
Sucht man in den mecklenburgischen Weiten
die Werkstatt des Markus Böhm, ist die Orientierung der
halbe Weg von Berlin nach Rostock. Südlich des
größten deutschen Binnensees, der Müritz
(slawisch: kleines Meer), auf einer Halbinsel liegt das Dorf
Alt Gaarz, das nur aus wenigen Häusern und einer
hölzernen Kirche besteht. Im ehemaligen Pfarrhaus am
äußersten Ende des Dorfes, inmitten eines
großen Gartens, befinden sich Wohnung,
Werkstattgebäude und der holzbefeuerte Brennofen. Hier
lebt der 1964 geborene Markus Böhm seit 30 Jahren und seit
einigen Jahren mit der Keramikerin Ute Böhm, die für
ihre wunderschönen Kristallglasuren bekannt ist.
Und hier fängt auch der berufliche
Werdegang des Markus Böhm an.
Nach dem Abitur verweigert er den Dienst
mit der Waffe in der NVA. Damit war die Möglichkeit eines
Studiums in weite Ferne gerückt. Also erlernt er von 1983
bis 1985 den Beruf des Töpfers bei Mario Enke, der wegen
seiner exzellenten Drehkünste und fast einmaligen Glasuren
bekannt ist. Hier wird sein Formempfinden nachhaltig
geprägt. Fasziniert ist er von Oberflächen, die ihre
Qualität und Ausprägung wesentlich durch den Brand
erhalten. Es beginnt die Beschäftigung mit
Kristallglasuren, gleichzeitig wird mit verschiedenen Ofentypen
für salzglasiertes Steinzeug experimentiert. 1987 wird
dann der Ofen gebaut, mit dem er auch heute noch seine
Stücke brennt.
In dem etwa 2m3 fassenden
Ofen entstehen zunächst Gefäße, die an die
Keramiken Theo Boglers während des Weimarer Bauhauses
erinnern. Applikationen von Drehteilen zu
Gefäßkonstruktionen, vierkantig geschlagene
Behältnisse lassen diese Ähnlichkeit aufkommen.
Langsam wandelt sich der Formkanon der mit striktem und
präzisen Handwerkskönnen gedrehten und gebauten
Keramiken. Hier bestimmen straffe Rundungen die klassisch
anmutenden Gefäße, dort treten sensibel
stehengelassene Drehspuren in den Vordergrund der
Oberfläche, wohl bedenkend, wie das Ergebnis nach Salz,
Asche und Feuersturz nach dem Brennen aussehen soll.
Dadurch hat Böhm im Wissen um
Materialeigenheiten und den Charakter seines Ofens etwas ganz
unverwechselbares und eigenes geschaffen. Der Ofen ist eine
eigene Konstruktion, der mittels einer Tür über den
Feuerungsraum zugänglich wird. Die liegende Flamme wird
durch eine gestapelte Feuerwand gelenkt, die bei jedem Brand
neu errichtet wird.
Mit einem Holzmix aus Kiefer und Buche
erreicht er während des 20 stündigen Brandes
Temperaturen von gut 1350°C, die mit Pyrometerkegeln
gemessen werden. Zweite Kontrolle leisten Thermoelemente an 3
Stellen des Ofens .
Oberflächengestaltung durch Feuer
könnte man Böhms Brennweise treffend bezeichnen. Der
Frohnsdorfer Steinzeugton bildet auch die Basis für seine
verschiedenen Massemischungen, denen je nach gewünschtem
Ergebnis Thüringer und Westerwälder Tone in kleinen
Mengen beigegeben werden. In diesem sehr fein abgestimmten
Konzert der Gestaltungs- und Materialinstrumente entstehen sie
dann, die blaugrauen glatten, die dunkelbraun rubbeligen oder
die mehrfarbigen schrundigen Oberflächen, die dem
Gefäß ihren Charakter aufdrücken. Zunehmend
werden die Arbeiten auch liegend gebrannt, wodurch sich
schöne grüne Ascheglasurtropfen auf einer
Gefäßhälfte sammeln.
Doch die tatsächliche Idylle
durchbricht Markus Böhm eben auch durch Aktivitäten,
die weit wirken.
Mehrere Keramiksymposien fanden in Alt
Gaarz statt. Gäste waren zum Beispiel Kap-Sun Hwang und
Si-Sook Kang sowie Prof. Whou Zhou aus China, aber auch Maler
und Bildhauer wurden einbezogen. Seit gut 5 Jahren ist er
Vorsitzender des Landesverbandes Kunsthandwerk M-V.
In der verbandseigenen Galerie
organisierte er Ausstellungen wie italienisches
Möbeldesign und modernes Porzellan aus Japan/Arita.
Auf meine abschließende Frage, wie
er sich als Keramiker einordnen würde, die prompte Antwort:
„ ... daß (ihn) Schubladen
nicht interessieren...und daß es auch bei allen
Schwierigkeiten des Broterwerbs in der Markt-Wirtschaft ein
Privileg ist, Töpfer zu sein. Ganz besonders auf einer
Halbinsel inmitten der mecklenburgischen Seenplatte.
Material & Technik
Der Ofen hat eine liegende Flamme, ist ca
2m3 groß.
Brenntemperatur um 1350°C in 16 bis
22 Stunden.
Salz kommt direkt in die Feuergrube, etwa
3 bis 5 kg.
Tone sind Frohnsdorfer mit
Zuschlägen von Eisenberger oder Westerwälder Tonen,
etwa je 15%, mitunter auch
Schamottezuschläge.
Es wird roh gebrannt und Spatlasuren,
zunehmend farbige, kommen zum Einsatz
Kasten: Curriculum Vitae
Markus Böhm
Müritzkeramik
Alt Gaarz 6
17248 Lärz
Tel.: 039833-22219
www.mueritzkeramik.de
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