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Alt Gaarz 6,  17248 Lärz
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Markus Böhm – Feuer und Salz

Zuerst veröffentlicht in der Neuen Keramik, Januar/Februar 2004

Sucht man in den mecklenburgischen Weiten die Werkstatt des Markus Böhm, ist die Orientierung der halbe Weg von Berlin nach Rostock. Südlich des größten deutschen Binnensees, der Müritz (slawisch: kleines Meer), auf einer Halbinsel liegt das Dorf Alt Gaarz, das nur aus wenigen Häusern und einer hölzernen Kirche besteht. Im ehemaligen Pfarrhaus am äußersten Ende des Dorfes, inmitten eines großen Gartens, befinden sich Wohnung, Werkstattgebäude und der holzbefeuerte Brennofen. Hier lebt der 1964 geborene Markus Böhm seit 30 Jahren und seit einigen Jahren mit der Keramikerin Ute Böhm, die für ihre wunderschönen Kristallglasuren bekannt ist.

Und hier fängt auch der berufliche Werdegang des Markus Böhm an.
Nach dem Abitur verweigert er den Dienst mit der Waffe in der NVA. Damit war die Möglichkeit eines Studiums in weite Ferne gerückt. Also erlernt er von 1983 bis 1985 den Beruf des Töpfers bei Mario Enke, der wegen seiner exzellenten Drehkünste und fast einmaligen Glasuren bekannt ist. Hier wird sein Formempfinden nachhaltig geprägt. Fasziniert ist er von Oberflächen, die ihre Qualität und Ausprägung wesentlich durch den Brand erhalten. Es beginnt die Beschäftigung mit Kristallglasuren, gleichzeitig wird mit verschiedenen Ofentypen für salzglasiertes Steinzeug experimentiert. 1987 wird dann der Ofen gebaut, mit dem er auch heute noch seine Stücke brennt.

In dem etwa 2m3 fassenden Ofen entstehen zunächst Gefäße, die an die Keramiken Theo Boglers während des Weimarer Bauhauses erinnern. Applikationen von Drehteilen zu Gefäßkonstruktionen, vierkantig geschlagene Behältnisse lassen diese Ähnlichkeit aufkommen. Langsam wandelt sich der Formkanon der mit striktem und präzisen Handwerkskönnen gedrehten und gebauten Keramiken. Hier bestimmen straffe Rundungen die klassisch anmutenden Gefäße, dort treten sensibel stehengelassene Drehspuren in den Vordergrund der Oberfläche, wohl bedenkend, wie das Ergebnis nach Salz, Asche und Feuersturz nach dem Brennen aussehen soll.

Dadurch hat Böhm im Wissen um Materialeigenheiten und den Charakter seines Ofens etwas ganz unverwechselbares und eigenes geschaffen. Der Ofen ist eine eigene Konstruktion, der mittels einer Tür über den Feuerungsraum zugänglich wird. Die liegende Flamme wird durch eine gestapelte Feuerwand gelenkt, die bei jedem Brand neu errichtet wird.
Mit einem Holzmix aus Kiefer und Buche erreicht er während des 20 stündigen Brandes Temperaturen von gut 1350°C, die mit Pyrometerkegeln gemessen werden. Zweite Kontrolle leisten Thermoelemente an 3 Stellen des Ofens .

Oberflächengestaltung durch Feuer könnte man Böhms Brennweise treffend bezeichnen. Der Frohnsdorfer Steinzeugton bildet auch die Basis für seine verschiedenen Massemischungen, denen je nach gewünschtem Ergebnis Thüringer und Westerwälder Tone in kleinen Mengen beigegeben werden. In diesem sehr fein abgestimmten Konzert der Gestaltungs- und Materialinstrumente entstehen sie dann, die blaugrauen glatten, die dunkelbraun rubbeligen oder die mehrfarbigen schrundigen Oberflächen, die dem Gefäß ihren Charakter aufdrücken. Zunehmend werden die Arbeiten auch liegend gebrannt, wodurch sich schöne grüne Ascheglasurtropfen auf einer Gefäßhälfte sammeln.

Doch die tatsächliche Idylle durchbricht Markus Böhm eben auch durch Aktivitäten, die weit wirken.
Mehrere Keramiksymposien fanden in Alt Gaarz statt. Gäste waren zum Beispiel Kap-Sun Hwang und Si-Sook Kang sowie Prof. Whou Zhou aus China, aber auch Maler und Bildhauer wurden einbezogen. Seit gut 5 Jahren ist er Vorsitzender des Landesverbandes Kunsthandwerk M-V.
In der verbandseigenen Galerie organisierte er Ausstellungen wie italienisches Möbeldesign und modernes Porzellan aus Japan/Arita.

Auf meine abschließende Frage, wie er sich als Keramiker einordnen würde, die prompte Antwort:
„ ... daß (ihn) Schubladen nicht interessieren...und daß es auch bei allen Schwierigkeiten des Broterwerbs in der Markt-Wirtschaft ein Privileg ist, Töpfer zu sein. Ganz besonders auf einer Halbinsel inmitten der mecklenburgischen Seenplatte.

Material & Technik

Der Ofen hat eine liegende Flamme, ist ca 2m3 groß.
Brenntemperatur um 1350°C in 16 bis 22 Stunden.
Salz kommt direkt in die Feuergrube, etwa 3 bis 5 kg.
Tone sind Frohnsdorfer mit Zuschlägen von Eisenberger oder Westerwälder Tonen,
etwa je 15%, mitunter auch Schamottezuschläge.
Es wird roh gebrannt und Spatlasuren, zunehmend farbige, kommen zum Einsatz

Kasten: Curriculum Vitae


Markus Böhm
Müritzkeramik
Alt Gaarz 6
17248 Lärz
Tel.: 039833-22219
www.mueritzkeramik.de





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