uteboehm.jpg
markusboehm.jpg
Zimmer1.jpg
MUERITZKERAMIK3.gif
Alt Gaarz 6,  17248 Lärz
mueritzkeramikt@t-online.de
Bernd Pfannkuche

Zu Technik und Ästhetik des Holzbrandes.


Jede Brenntechnik entwickelt eine eigene Ästhetik.

Ästhetik und Reiz der Arbeiten aus einem Holzbrand sind stets abhängig von den Brenn- und Verfahrenstechniken, die in Folge eine solche spezielle Charakteristik erst hervorbringen, sie prägen und bestimmen.

Heute ist das Brennen im Holzofen eine Besonderheit, im geschichtlichen Gestern war Holz der einzige Brennstoff, der zur Verfügung stand. Trotz dieser gemeinsamen Basis, auf der weltweit einst die gesamte Keramikproduktion stand, gingen die Wege des Denkens und des Einfühlens in den Brennvorgang, verbunden mit dem Erkennen der materialästhetischen Eigenarten keramischer Rohstoffe, in den verschiedenen Kulturräumen unterschiedliche Wege.

Es ist verwunderlich, aber wir müssen feststellen, dass in unserem westlichen Kulturraum sicherlich Effizienz, jedoch nicht das Aufspüren oder Verfolgen irgendwelcher ästhetischer Komponenten des Brandes im Vordergrund stand. Vielleicht ist dies in der stärkeren Ausrichtung auf die Entwicklung der abstrakt-analytischen Fähigkeiten des Menschen im Abendland begründet, die sich auf Kosten einer Gesamtschau vollzog.

Im geschichtlichen Ablauf wurde auf diesem betreffenden Feld nichts Sonderliches entdeckt oder offen gelegt. Sicherlich, dies lag auch an den geologischen Bedingungen, sprich den vorgefundenen Werkstoffen und den damit Hand in Hand gehenden, zumeist niedrigen Brenntemperaturen. Dort, wo diese Temperaturen höher lagen, finden wir die Ausnahmen, wie zum Beispiel im 14.Jahrhundert beim Siegburger und später beim Westerwälder Steinzeug. Hier nahm der Brennprozess im besonderen Maße Einfluss auf die Ästhetik der Arbeiten.

Dabei schauen wir nicht auf eine "dürftige" geschichtliche Überlieferung zurück - im Gegenteil. Welche großartigen Töpferwaren, Steingut-, Steinzeug und Porzellanprodukte in unserer Kultursphäre geschaffen wurden, zeigen die Sammlungen der Museen! Doch ist ihre Gestaltung klar und deutlich von den immer weiter vorangetriebenen analytischen Erkenntnissen geprägt. Immer darauf bedacht, Zufälligkeiten und Eigenarten des Brennprozesses, wenn nicht gänzlich auszuschließen, so doch weitgehendst zu kontrollieren und auf die Funktion des Erzielens einer bestimmten Temperaturhöhe zu reduzieren. Ausnahmen finden sich natürlich auch hier, wie zum Beispiel im Einsatz verschieden starker, reduzierender Atmosphären zur Erzielung spezieller Glasureffekte. Wir betrachten jedoch die grundsätzliche Tendenz.

So ist festzustellen, dass in der westlichen Welt eine ganz bestimmte Möglichkeit im keramischen Herstellungsprozess nicht ausgeschöpft, bestenfalls angerissen wurde. Erst der Kontakt zur ostasiatischen Keramik im ausgehenden 19.Jahrhundert eröffnete eine neue Sichtweise. Der Frage nachzugehen, warum dies in der westlichen Hemisphäre gerade zu diesem Zeitpunkt und nicht früher oder später geschah, würde zu weit vom Kernthema weg führen. Es kann jedoch kurz erwähnt werden, dass im Westen die Keramik nie, selbst im weitesten Sinne, als Teil des Kultes gesehen wurde. Sie stellte zwar Kultgefäße zur Verfügung, war jedoch zumeist profan bestimmt und vom Material her bestenfalls als zweite Wahl hinter Edelmetallen akzeptiert. Und wenn es "künstlerisch" wurde, trat das Material, die Funktion, und häufig selbst die formale Seite der Arbeiten hinter ornamentalen oder bildnerischen Darstellungen auf der Oberfläche der Arbeiten zurück. Auch herrscht im Übergang von 19. zum 20.Jahrhundert, als Gegenbewegung zur fortschreitenden Industrialisierung, eine wachsende Affinität zu naturnahen Vorgängen und Vorbildern. So war im gesamten künstlerischen Bereich, auch in der Malerei und Plastik, der Boden für Einflüsse dieser Art bereitet.

Die Herstellungsweise und speziell der Brennprozess selbst war zuvor im Westen nie Thema der Ästhetik, beide waren eher harte Arbeit. Der Brand sollte die vorher durch Glasur und Bemalung bereits festgelegten gestalterischen und farblichen Kriterien zur Realisation bringen.

Ganz anders verlief die Entwicklung in manchen Regionen Asiens, in denen dem Umgang mit dem Feuer, einem der "vier Elemente", eine kultische Dimension zugeordnet werden kann. Hier wurde diesem "dem Feuer aussetzen" und den Eigenheiten dieses Prozesses bei der endgültigen Gestaltung der Arbeiten schon immer Mitsprache eingeräumt. Hier sind auch die mentalen und emotionalen Bezüge zur Keramik zu sehen, sowie deren kultische Einbindung in den ostasiatischen Kulturen, speziell in Korea, Japan und China. Bei uns hat die Wahrnehmung der Überlieferung, dass "Gott den Menschen aus Erde (Ton) schuf" ihren Sitz im Bereich des Denkens. Wir lesen dies in der Bibel, oder besser, wir wissen, dass es dort steht - wer weiß noch, wann er es zuletzt gelesen hat?

Im asiatischen Kulturraum würde eine solche Betrachtung der Schöpfung, wenn auch nicht in dieser Form zur Aussage gebracht, im Bereich der Empfindung, des Gefühls liegen. Man ist näher an den Ursprüngen, an der noch weit tiefer liegenden Entstehung der Körperlichkeit. Und Keramik siedelt dort in dem Bereich, der als Bindeglied zwischen der rationalen, dreidimensionalen, diesseitigen Welt und der jenseitigen, der Welt der Götter fungiert.

In dieses geistige Umfeld gehört auch die Wertschätzung und Hochachtung, die man heute noch in Japan den sogenannten "Lebenden Nationalschätzen" entgegenbringt; eine Verehrung, mit der man in unserer westlichen Welt, geschichtlich gesehen, bestenfalls herausragende Priester belegte. Kennen wir hier und heute Vergleichbares? Wenn wir ehrlich sind, können wir eine solche "Institution" in unserer Kopfigkeit auf der einen Seite und unserem Hang zur Liberalität und der damit verbundenen kritischen Betrachtung von Autoritäten auf der anderen Seite, nicht ganz ernst nehmen - auf jeden Fall nicht adaptieren.

Wo stehen wir also im westlichen Kulturfeld mit dem Bedürfnis einiger zeitgenössischer Keramiker, im Holzofen zu brennen? Wie ist der Wille zu erklären, diesen Prozess der sehr persönlichen Brandführung zu bestimmen, zu gestalten und so Produkte zu schaffen, die sich stark von der monochromeren Ästhetik der Arbeiten aus einem Elektroofen, selbst der schon lebendigeren aus einem Gasofen, unterscheiden, die eventuell sogar nicht so gut wie jene verkäuflich sind?

Hier etwas anzumerken und zu erklären bedarf sicherlich der persönlichen Erfahrung. Als Erstes ist festzuhalten, dass man "seine" Materialien, Masse, Glasuren und eventuell die Details des Salzens nicht nur kennen, sondern dass eine innere Beziehung zu ihnen bestehen muss, dass man weiß, welche Potenzen und Möglichkeiten sie beinhalten. Hier ist Ton nicht ein Material, das sich zu Produkten formen und durch Brennen verfestigen lässt. Das Material hat eine eigenständige Persönlichkeit mit Charaktereigenschaften, die man verstärken oder verändern kann, die der Holzbrand jedoch erst zum Ausdruck bringt und offen legt. Wir befinden uns hier auf einem Terrain, das konträr zur technisierten Gießkeramik zu sehen ist.

Als Zweites ist die Konzentration beim Setzen des Ofens zu sehen. Ausschlaggebend ist große Erfahrung mit dem speziellen Ofentyp, um zu einer stimmigen Individualisierung der gebrannten Stücke zu kommen. Wie stehen die Stücke im Flammenverlauf, wie lenkt man diesen durch den Brennraum zwischen Feuerung und Abzug, wo bremst man, wo gibt man freien Lauf, wo sind die unterschiedlichen Temperaturzonen, welche Anflugintensität, ob Salz und/oder Asche, ist an dieser oder jener Stelle zu erwarten und was ist dort abzudecken oder wird hier, an dieser Stelle verdeckt, wo entstehen Verwirbelungen und welche Stücke oder welche Seite einer Arbeit exponiert man wie am besten?

Die Stücke stehen nicht einfach nur auf Platten, ökonomisch geordnet, mehr oder weniger in Reih und Glied. Nur jahrelange Beobachtung und Erfahrung erlaubt Annäherung an vorher gehegte Vorstellungen, ermöglicht ansatzweise zu bestimmen, wie ein Stück nach dem Brand aussehen könnte.

Und letztlich der Brand selbst: Sehen wir ab von der Beschaffung und der Aufbereitung des Holzes, schauen wir nur mit wenigen Blicken und Worten auf den Verlauf, der, recht monoton beginnend, sehr bald zu einem außergewöhnlichen Ereignis wird. Ist erst einmal die Rotglutgrenze überschritten, erwacht mit zunehmender Temperatur das Eigenleben eines jeden Holzofens. Das Heizen ist dann nicht mehr nur ein Auflegen von Holzscheiten, es wird zu einer Auseinandersetzung mit dem Prozess und insbesondere mit der Eigencharakteristik des Ofens: auflegen, wie lang abbrennen lassen, wann wieder auflegen, welche Holzstärken, welche Mengen, wieviel Luft, wann und von wo, welche Schieberstellung? Später: wann, wie lang und wie stark die Reduktionsphasen, wann und wieviel Salz oder Salzwasser und in welchen Intervallen, wenn es ums Salzen geht? Es muss ein Einklang entstehen, ein Einklang mit dem Sound, mit der erwachten Wesenheit des Ofens und der Rhythmik des Beschickens der Feuerung. Und ist das letzte Scheit aufgelegt, der Ofen verschlossen und abgedichtet, ist auch ein Stück von einem selbst im Ofen geblieben.

So lässt sich nachvollziehen, dass es sich beim Arbeiten mit einem Holzofen, oder besser, bei der Herstellung von Keramik, die letztlich im Holzofen gebrannt wurde, um einen ganz speziellen Gesamtprozess handelt. Nicht die Temperatur ist entscheidend, die man durch das Verbrennen von Holz erreicht, sondern Jenes, was durch den Brennprozess den Arbeiten hinzugefügt wird: die hervorgelockte Materialästhetik der Rohstoffe, die erzeugten Anflüge verschiedenster Art, das besondere "Gebackensein" der Masse, die spezielle Farbigkeit, der Nachhall der wechselnden Atmosphären.

Und schaut man auf den Menschen, der den Ofen treibt und selbst getrieben wird, so erkennt man unschwer die Gründe für die Faszination, die von einem solchen Prozess ausgeht. Er ist in allen seinen Wesensgliedern involviert. Die Physis, der Körper wird gefordert - keine Elektronik übernimmt irgendwelche Arbeit. Dann der Bereich des Empfindens, das Nachspüren und Einfühlen in die Abläufe und letztlich das Denken, das Rekapitulieren, die Schlussfolgerungen aus der Erfahrung, der Wille zum Risiko, die Entschlusskraft für neue Entscheidungen... Dies alles fließt ein in die Auseinandersetzung mit dem Element Feuer: das direkte Ausgesetztsein des Menschen, der direkte Kontakt und der kraftvolle Versuch der Beherrschung des Feuers und letztlich der Sieg über das selbst inszenierte Inferno - zum Guten der Ware.

Bernd Pfannkuche hat in Kassel bei Walter Popp und Ralf Busz Keramik studiert. Er ist freiberuflich als Keramiker, Berater und Autor tätig (u.a. „Keramische Brennöfen“, Herausgeber der Zeitschrift „NEUE KERAMIK).

|   NACH OBEN   |   MÜRITZKERAMIK   |   ARTIKELLISTE   |