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Die Internationale Holbrandkonferenz in Mittagong, NSW, Australien


Jetzt bin ich also wieder zurück in Deutschland und es ist so, wie Father Serge es mir prophezeit hatte: „Dieses Land verändert Dich. Viel mehr, als Du es je verändern könntest.“
Landschaften wie aus guten Träumen. Wundervolle keramische Rohstoffe direkt unter meinen Füßen. Holzgebrannte Keramik in Farben wie Buschfeuer.
Ich, der die DDR nicht wie die meisten anderen 1989 verlassen sondern lieber das Licht ausmachen wollte, würde jetzt einen Ausreiseantrag stellen. Nach Australien. Father Serge, oder, wie er richtig heißt, Sergej Shatrov, ist Novize im Kloster zur Heiligen Wiederauferstehung und leidenschaftlicher Holzbrenner. Es ist schwierig geworden von der Keramik zu leben, schwieriger noch als in Deutschland, und so ist für ihn der klösterliche Holzbrandofen vielleicht auch so etwas wie die Erlösung von sehr irdischen Existenzängsten. Und genau diese Existenzängste sind es dann auch, die mich wiederum hierbleiben lassen. Serge traf ich einige Wochen vor der Holzbrandkonferenz, als er mithalf, den riesigen Haufen gespaltenen Holzes unter die Brennhütten zu stapeln. Ihn zu besuchen, reichte die Zeit leider nicht mehr, ebenso wie für viele andere Einladungen auch.
Aber ich will nicht ungerecht sein: meine sechs Wochen in Australien waren vollgestopft mit Sightseeing, Besuchen bei Kollegen und Keramiksammlern und auf einem Weingut, Ausstellungseröffnungen, langen Diskussionen bei gutem Essen und wunderbarem Wein und natürlich vor allem mit der Arbeit in der Töpferei. Es entstand genau die Intensität, die ich gesucht hatte, als ich mich am Sturt Craft Centre bewarb. Erst die tastenden Versuche mit den Massen, die klarer werdenden Vorstellungen von den eigenen Stücken und dann schließlich der Brand in der zweiten Kammer des Noborigama, der unerwartete Resultate brachte, von denen einige meine Erwartungen noch übertrafen. Nach dem Ausräumen hätte ich gern weitergemacht, wusste ich doch nun um die Möglichkeiten von Masse und Ofen.
Ganz entscheidend für die einmalige Arbeitsatmosphäre waren sicher die Kompetenz, Großzügigkeit und ganz besonders der Humor von Paul Davis und Yasuo Terada.
Paul ist als Sturt Potter für den Betrieb der Töpferei verantwortlich, für die Kurse, die dort gegeben werden, ebenso wie für die Keramiker, die als Artist in Residence für ein paar Wochen die Werkstatt und die Möglichkeiten des Sturt Craft Centre nutzen können. Unter ihnen waren z.B. schon Suzie Atkins, Patty Wouters und Svend Bayer. Paul ist nicht nur ein hervorragender Keramiker, der seine immensen Kenntnisse und Erfahrungen gern mit anderen teilt, er ist auch ein außergewöhnlich großzügiger Gastgeber für die vielen Keramiker, die die Werkstatt für kurz oder länger besuchen. Er erhielt seinen Master of Arts 1995 für seine Arbeit über Glasuren, die mit der japanischen Teezeremonie verbunden sind und dann noch im selben Jahr das bedeutende Stipendium der Japan Foundation, mit dem er nach Japan reiste. Er lebte und arbeitete anschließend 5 Jahre in Hagi und kehrte 2001 nach Australien zurück – an das Sturt Craft Centre. Seither ist Holzbrand wieder ein fester Bestandteil der Sturt Pottery. Gemeinsam mit Svend Bayer baute er den sogenannten Ogama, den Yasuo Terada für seinen Oribe Workshop genutzt hat. Ogama heißt eigentlich „großer Ofen“, ein Name, dem die in Mittagong errichtete Ausführung mit ihren etwa 3,5m3 Brennraum nicht gerecht wird. Allerdings entspricht die Form den japanischen Vorbildern, man kann ihn sich wie eine halbierte und auf der Schnittfläche liegende Zwiebel vorstellen. Yasuo Terada hat selbst einen solchen Ofen in seiner beeindruckenden Sammlung, allerdings mit einem Brennraum von mehr als 70m3. Daneben noch einen Noborigama mit 15 Kammern und einen kleineren Ofen für Salzglasuren. An Yasuo hat mich am meisten die Verbindung zwischen einer sehr traditionellen Materialverbundenheit und den sehr zeitgenössischen Arbeiten fasziniert. Selbst nach Rohstoffen zu graben ist ungewöhnlich geworden in der westlichen Welt, hier kommt der Ton ganz überwiegend aus der Tüte und nicht (direkt) aus der Grube. Ich hätte ihm gern fortwährend auf die Hände gesehen, war jedoch ausreichend mit meinen eigenen Arbeiten beschäftigt. Überhaupt bedaure ich es im Rückblick auch für die eigentliche Holzbrandkonferenz sehr, dass ich mich nicht an mehreren Orten gleichzeitig aufhalten konnte. Die Vorträge fanden in zwei Vorlesungsräumen häufig parallel statt, hinzu kamen noch die Demonstrationen und Ofenöffnungen, am Sonntag auch die Raku-Holzbrände mit Stefan Jacob. Abends wurden dann jeweils ein oder zwei der zahlreichen Ausstellungen eröffnet. Möglich wurde dies dadurch, dass Sturt zu Frensham gehört, einer renommierten Privatschule für Mädchen. Die Konferenz fand in den Ferien statt, so dass neben den Werkstätten und Vorlesungssälen auch die Internate und die Mensa zur Verfügung standen.  So fanden fünf Diskussionsforen mit jeweils meist fünf Teilnehmern, 17 Vorlesungen und 10 (meist kleinere) Ausstellungen mit 64 Künstlern statt. Eine organisatorische Meisterleistung, an derem Gelingen neben vielen Anderen Megan Patey, die langjährige Leiterin von Sturt, einen entscheidenden Anteil hatte. Für mich allerdings macht es diese Fülle sehr schwer, über die Konferenz zu berichten. Einerseits, weil umfassende Informationen den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen würden, aber auch, weil ich wegen oben erwähnter Parallelität einen viel zu großen Teil der Konferenz selbst nicht mitverfolgen konnte. „Sorry, I couldn‘t come to your presentation...“ war wohl die häufigste Einleitung für stattfindende Gespräche. Die in diesem Artikel ungenannt bleibenden Kollegen bitte ich um Nachsicht.
Für mich war erstaunlich, welch großen Anteil Umweltfragen an den Diskussionen hatten, gab es doch zu diesem Themenkreis ein Diskussionsforum und mehrere einzelne Vorträge. Holz ist an sich ein klimaneutraler Brennstoff: Beim Brand entsteht nur so viel CO2, wie der Baum während seines Lebens aufgenommen hat und auch bei seiner Zersetzung im Wald wieder abgeben würde. Außerdem verwenden Holzbrenner in der Regel schon allein aus Kostengründen Restholz, das zu nichts anderem als dem Verbrennen mehr taugen würde, so dass für den Brand kein Baum sterben muss. In Australien wird viel Holz verbrannt, allerdings meist zu Heizzwecken in den weit verbreiteten offenen Kaminen, die kühle Winterabende etwas angenehmer gestalten. Dennoch ist das Umwelt-Image der Holzbrenner nicht gut, sicher auch deshalb, weil der äußere Augenschein bestimmend ist: Viele brennen ihre Anagamas über Tage mit dickem schwarzem Rauch, und wo noch vor einigen Jahren der nächste Nachbar weit weg war, ist er heute oft wegen der zunehmenden Besiedlung in Seh- und Riechweite. Zudem beginnt auch in Australien sich zunehmend so etwas wie ein Umweltbewusstsein zu entwickeln und die Angst vor den verheerenden Buschfeuern ist allgegenwärtig. Viele der Holzöfen haben im Sommer Zwangspause: „Fireban“ auf Australisch. Die Diskussion zur Effizienz von Öfen und Vermeidung von Emmissionen war interessant, ebenso wie der Vortrag (und der Besuch) bei Steve Harrisson, der sich aus Kostengründen ebenso wie aus Überzeugung zu einer Art keramischen Selbstversorger entwickelt hat, mit selbst gebauten Möbeln, Solarpaneelen auf dem Dach, großem Gemüsegarten und natürlich: Rohstoffen aus der eigenen Umgebung. Hochinteressant auch seine systematischen Versuche und technischen Lösungen. So stellt er beispielsweise seine Feuerleichtsteine selbst her, indem er einem Feuerfestton aus der Umgebung den Kaffeesatz aus der Espressomaschine zufügt. Trotzdem betreibt er neben der Werkstatt noch eine Ofenbaufirma zum Broterwerb.
Andere Foren beschäftigten sich mit Themen wie: „Internationale Perspektiven  für den australischen Holzbrand“, „Das Machen – ein zentraler Fokus“. Zum Forum mit dem provokanten Titel „Ist Holzbrand relevant im zeitgenössischen Kontext“ war es gelungen, mit Robert Bell und Anthony Bond führende Persönlichkeiten großer australischer Kunstmuseen in die Holzbrandkonferenz einzubinden.
Neben vielen anderen der Einzelvorträge ist mir Arthur Rossers Vorlesung zu Reduktionstechniken beim Brennen im Anagama im Gedächtnis haften geblieben.  Dies nicht allein wegen der wunderbaren Fotos (Arthur hat seine Werkstatt im subtropischen Queensland) sondern auch wegen seiner speziellen Art des Experimentierens mit Feuerungstechniken. Schließlich ist es sehr schwierig zu sortieren, welche Einflüsse letztendlich die Farbigkeit des Ergebnisses bestimmen: an welcher Stelle des Brandes oxidierend und wo reduzierend gebrannt wird, welches Holz verwendet wird, welche Masse, welche Engoben, wie schnell gebrannt wird usw. Aber vielleicht gelingt es mir ja, einige der Vorträge für die Neue Keramik zu übersetzen, so dass sich der geschätzte Leser selbst ein Bild machen kann.
Wichtig war sicher auch die Verleihung des vom Log Book gestifteten Preises für junge Holzbrenner an Su Hanna für ihr Stück „Longing for Rain“ (das Log Book – Zeitschrift für Holzbrand – wird von Robert Sanderson.und Coll Minogue herausgegeben).
Aber was wäre eine Holzbrandkonferenz ohne dass es raucht und irgendwo Flammen aus dem Schornstein lodern. In Mittagong sorgten dafür drei Workshops, die vor der Konferenz mit dem Einlegen der Öfen begannen. Verantwortlich waren Ron Myers (USA) für den Anagama, Yasuo Terada (JP) für den Ogama und Sandy Lockwood und Robert Barron je für eine Kammer des Noborigama. Es war das erste Mal in der Geschichte von Sturt, dass alle drei Holzbrandöfen zur selben Zeit gebrannt wurden.

Selbst jetzt, wo sich die Eindrücke und Anregungen zu sortieren beginnen, stapeln sich noch die vielen Erinnerungen, so dass ich eigentlich recht froh darüber bin, dass die erste europäische Holzbrandkonferenz erst 2010 stattfinden wird – in Deutschland.

Links für weitergehende Informationen:




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Paul Davis und Sergej Shatrov beim Holzladen
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Blick vom Fitzroy Waterfall aus
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Fitzroy Waterfall
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Wein »berg«
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Sturt Noborigama
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Sturt Pottery
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Yasuo Terada beim Einlegen
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Chester Nealy bei seiner Demonstration
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Steve Harrison bei seinem Vortrag
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Keramisches Objekt von Neil Hoffman in der Ausstellung »Outside the Square«
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John Henderson bei der Demonstration der japanischen Teezeremonie
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Ogama und Anagama beim Brand